Heute traf ich Stefan Thomas und Jörg Schieb, die Gründer von TxtBear, um ihnen einige Fragen zu stellen.
Wie wurde die Idee hinter TxtBear geboren?
Stefan: Anfang 2009 haben wir bei unserem Ebook-Shop eload24.com selbst einen browser-basierten PDF-Viewer gebraucht. Die vorhandenen Lösungen waren alle entweder zu restriktiv oder nicht kompatibel mit modernen Plattformen (iPad, etc.). Daher haben wir letztendlich entschieden, selbst einen Viewer zu entwickeln.
Jörg: Wir waren auf der Suche nach einem Onlinedienst, der uns ermöglicht, mit Dokumenten Geld zu verdienen und gleichzeitig Lesern die Möglichkeit zu geben, online in vorhandene eBooks zu schauen. Konkret ging es darum, vorhandene eBooks von eload24.com im Onlineshop von eload24.com zum Reinschnuppern zur Verfügung zu stellen, ähnlich wie Amazon das mit „Look Inside“ macht. Wir haben einige Lösungen gefunden und uns auch näher angeschaut, aber keine hat uns wirklich überzeugt. Die meisten haben mit Flash gearbeitet und waren nicht besonders benutzerfreundlich. Auch war in der Regel ein manueller Upload der Dokumente erforderlich. Deshalb haben wir gedacht: Das geht doch besser – und wir haben damit begonnen, eine eigene Lösung zu „bauen“.
War es nur eine vage Idee, oder schon sehr konkret bzw. detailliert?
Jörg: Der Grundgedanke war konkret und auch an einem eigenen Bedürfnis orientiert: Wir wollten im PDF-Format vorliegende eBooks online verfügbar machen, damit Leser sich vorab einen Eindruck vom Inhalt machen können. Doch das war nur die Initialzündung: Schnell hatten wir mehrere Dutzend weitere Ideen, was ein Onlinedienst können müsste, um uns rundum glücklich zu machen – und hoffentlich auch andere User. Die Idee für TxtBear war geboren: Dokumente schnell, effektiv und kostenlos im Web verfügbar machen, schneller als andere, mit besserer Qualität und mehr Komfort. Das war unser bescheidenes Ziel.
Stefan: Zu Beginn wollten wir nur eine Lösung die unseren eigenen Bedürfnissen entspricht, aber wir haben schnell gemerkt, dass andere Verlage auch großes Interesse an besseren Lösungen für die Anzeige ihrer Inhalte haben. An dem Punkt ist das finale Konzept für TxtBear entstanden, welches auch heute noch gilt.
War von Anfang an klar, wie diese Idee umgesetzt werden müsste?
Stefan: Wir wollten Erweiterbarkeit und saubere APIs, damit sich die Technik vielseitig einsetzen lässt. Außerdem wollten wir das Rad nicht neu erfinden, daher haben wir stark auf Open-Source gesetzt. Also würde ich sagen, ja, es hat sich schnell eine technische Richtung heraus kristallisiert.
Was war das größte Problem, das gelöst werden musste, um TxtBear zu schaffen?
Jörg: Eine der größten Herausforderungen ist in meinen Augen die Skalierbarbeit: Unabhängig davon, wie viele Menschen den Dienst nutzen – und wie viele gleichzeitig –, muss TxtBear gewohnt zuverlässig und schnell arbeiten. Wir wollten von Anfang an sicherstellen, dass der Benutzer nie auf TxtBear warten muss, unabhängig davon, ob er gerade ein neues Dokument in TxtBear einstellt oder ein vorhandenes Dokument abruft.
Stefan: PDF ist ein sehr komplexes Dateiformat mit vielen Optionen. Alle Aspekte des PDF-Standards zu unterstützen und die zahlreichen Eigenheiten mancher PDFs, war und ist eine große Herausforderung.
Wenn ihr heute auf das Projekt schaut – gibt es noch viele Baustellen?
Stefan: Fünf Monate nach Gründung sind die Kerntechnologien online, aber unsere Feature-Wunschlisten sind noch immer sehr lang. Einige der besten Ideen sind uns wahrscheinlich noch gar nicht eingefallen. Daher wird uns wohl so schnell nicht langweilig.
Jörg: TxtBear ist noch lange nicht da, wo wir TxtBear sehen. Es gibt noch mindestens 1’000 gute Ideen, die wir umsetzen wollen. Unsere User geben uns interessantes und konstruktives Feedback. Durch den Einsatz in der Praxis zeigen sich die Stärken, aber auch eventuelle Lücken. Wir schauen genau hin und entwickeln dort weiter, wo Erfordernisse entstehen. Denn wir wollen natürlich, dass TxtBear für möglichst viele User interessant und das richtige Werkzeug ist. Gleichzeitig verändert sich das Internet in einem rasanten Tempo, auch darauf muss reagiert werden. Wir wollen TxtBear natürlich auch in sozialen Netzwerken etablieren, um nur ein Beispiel zu nennen.
Stefan: Übrigens, wenn Sie selbst eine Idee oder einen Wunsch haben, was wir noch entwickeln könnten, schicken Sie uns doch einfach einen Tweet: http://twitter.com/txtbear
Wo seht ihr TxtBear in 5 Jahren?
Stefan: Fünf Jahre sind im Internet eine Ewigkeit. Ich hoffe, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren eine Entwicklergemeinde rund um TxtBear aufbauen können. Wenn wir das schaffen, könnte TxtBear in fünf Jahren die Basis für verschiedenste Projekte sein. PDF-Reader für Sehbehinderte, eine kollaborative Office-Suite, ein Online-Formular Dienst uvm. Viele solche Dienste gibt es schon, aber mit TxtBear könnten die Betreiber enorm Entwicklungskosten sparen und neue Funktionen ermöglichen.
Jörg: TxtBear wird zu einem der wichtigsten Werkzeuge für Dokumente im Web werden. Privatleute können damit ihre Dokumente bequem und sicher hosten – und auch noch Geld damit verdienen. Verlage können ihre eBooks oder Zeitschriften im Web publizieren und ohne Aufwand auf allen wichtigen Plattformen verfügbar machen, ob PC, Smartphone oder Tablet-PC. Gleichzeitig sehen wir TxtBear als leistungsfähige ePaper-Lösung für Online-Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften und Dokumente jeder Art. Wir sind überzeugt davon, dass sich TxtBear durchsetzen wird.
Das Interview führte Klaus Neumann, Freelancer bei TxtBear.